„Denn wir sind Christi Wohlgeruch …“

Beim Betreten so mancher Kirche nehme ich ganz besonders den Geruch wahr. Den Geruch von Kerzen und Weihrauch. In der Basilika in Santiago de Compostela, riecht man zum Beispiel sofort den Weihrauch. Und beim Gottesdienst fällt einem das riesige Weihrauchfass, der Botafumeiro ins Auge, der von 8 Männern durch das Kirchenschiff geschwungen wird.

Beim Betreten der Grabeskirche in Jerusalem empfängt den Besucher ein wunderbarer Duft. Der Salbungsstein am Eingang, der mit Ölen getränkt ist, vermittelt dies Erlebnis. Ich weiß nicht, ob es Rosenöl oder Narde oder Myrrhe-Öl ist und welcher Duft heraussticht.

In Santiago wurde viel Weihrauch benutzt, um den Geruch zu übertünchen, den die vielen Pilger nach ihrer langen Reise ausdünsteten. In Jerusalem erinnert der Geruch am Salbungsstein daran, dass Jesus nach seinem Tod gesalbt werden sollte mit ganz kostbaren Ölen, wie es üblich war. Deshalb waren die Frauen auf dem Weg und wurden zu Erstverkünderinnen der Auferstehung.

Auch das Grab der Gottesmutter soll der Legende nach, nach frischen Kräutern geduftet haben. Dies wurde als Hinweis gedeutet, dass sie längst im Himmel bei ihrem Sohn ist.

Die Welt, der Tod riecht modrig, aber der Himmel duftet.

Myrrhe begegnet Jesus am Anfang seines Lebens und am Ende wird er mit Nardenöl geehrt. Es sind ganz besonders Kräuter, Heilkräuter, gewählt, die eine beruhigende, reinigende Wirkung haben.

Auch heute noch spielen Geruch und Düfte eine große Rolle. Die Maskenpflicht hat für mich auch die Folge, dass ich, wenn ich die Maske abnehme, Gerüche zuerst viel intensiver wahrnehme. Auf der einen Seite freue ich mich, wenn ich altbekannte Düfte, Gerüche wieder entdecke. Das hat was von Zuhause sein. Aber ich kann, manchmal leider, keine Gerüche konservieren. Sie werden ranzig.

Gerüche, Düfte müssen immer wieder frisch und lebendig sein. Für unsere Liturgie und für unsere Kirche heute kann das heißen, das ein “Das war-schon-immer-so” ranzig und modrig riechen kann.

Die Botschaft von Ostern ist: Ostern riecht nach Zukunft – nach Leben.

Der Geruch des Karfreitags von damals, der Geruch nach muffiger, abgestandener Luft in einem engen Raum, nach dem Ruß der Fackeln im Verborgenen nach Metall und Blut, nach offenen Wunden ist vorbei. Der Geruch nach Verwesung und Essig, dem Schweiß der Menge und nach grausamem Tod, weicht dem vertrauten Geruch in der Umarmung von Freundinnen und Freunden, nach Brot und Wein. Nach getrockneten Tränen.

Es riecht nach Frühling und Auferstehung und Leben. Nach Gemeinschaft. Und es riecht für uns heute hoffentlich nach Frühling und Auferstehung, wenn wir hoffentlich bald die Masken abnehmen dürfen.

Ostern will nicht den alten Duft übertünchen, sondern einen neuen Duft verströmen. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“, sagt der Engel.

Es geht bei unserer Osterfeier nicht um die Wiederholung des Ewiggleichen. Ostern ist Neuanfang.

Diesen Duft nach Leben sollen auch wir verströmen. Den Duft nach dem frischen Brot der Gemeinschaft. Der Geschwisterlichkeit zu der Jesus uns berufen hat. Im 2. Kor. 2, 15 heißt es „Denn wir sind Christi Wohlgeruch …“

Paulus fordert uns da auf diesen Geruch zu verbreiten.

Und der Geruch der heilenden Kräuter von Ostern schenkt auch Ruhe und Gelassenheit.

Ihnen allen und Ihren Familien wünsche ich, auch im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein frohes Osterfest 2021!

Josef Wilken, Pfarrer

Bildquellen

  • Salbungsstein_Grabeskirche: © https://pg-oh.de
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