Ich hatte (k)eine andere Wahl, …

Manchmal fällt in einem Gespräch folgender Satz: „Ich hatte keine andere Wahl!“ Oder: „Ich hatte keine andere Wahl, mich von dieser oder jene Person zu trennen“, „Ich hatte keine andere Wahl, als in dieser Situation hart und konsequent durchzugreifen.“ …

Wir alle kennen solche Situationen von denen wir im Nachhinein feststellen, dass man keine andere Wahl gehabt hat. In einem solchen Fazit kann belastendes und negatives stecken. Die älteren Gemeindemitglieder wissen vielleicht noch darum,

dass sie selbst oder ihre Eltern keine andere Wahl gehabt hatten, wenn es um den eigenen Beruf ging, den man hätte gerne ausüben wollen. Der Älteste muss den Hof oder das Geschäft übernehmen, die anderen Söhne wurden Lehrer, Priester oder Ordensmänner. Die Töchter lernten Hauswirtschaft, um als Frau und Mutter ihre Rolle, ihren Platz im festen Gefüge der Gesellschaft einzunehmen oder sie gingen als Schwester in einen Orden. Das lernen, was man wollte, dahingehen wo man sich wohlfühlte, das war unvorstellbar! Wer konnte sich das als Familie leisten?

Keine andere Wahl zu haben, bedeutete damals einen Beruf auszuüben oder eine Lebensform zu wählen, die man nicht selbst ausgesucht hatte. Bitterkeit oder das Gefühl, dass man etwas verpasst hat, gingen nicht selten mit diesen Situationen einher.

Es gibt aber auch die positive Seite des Satzes: „Ich hatte keine andere Wahl.“ „Ich musste meine Frau/meinen Mann heiraten, weil ich so verliebt war und es noch bin!“ „Ich musste diesen Beruf wählen, weil ich wusste, dass er zu mir passt und ich darin die Erfüllung der eigenen Fähigkeiten und Wünsche erfahre.“

Es ist gut, aus freien Stücken eine Partnerin/einen Partner fürs Leben zu finden oder bewusst als Single durchs Leben gehen zu wollen. Es ist gut und erfüllend, aus freien Stücken seiner Berufung folgen zu dürfen und den Beruf zu wählen, der einem Freude bereitet.

Unser Pfarrer Josef Wilken ist aus freien Stücken seiner inneren Berufung gefolgt, sich als Priester der Diözese Osnabrück in Dienst nehmen zu lassen. Dieser Berufungsweg fand mit der Priesterweihe vor 25 Jahren im Hohen Dom zu Osnabrück einen ersten feierlichen Höhepunkt. Seitdem ist er mit den Menschen in den verschiedensten katholischen Kirchengemeinden unserer Diözese unterwegs. Er begleitet die Menschen in Freud und Leid, feiert mit ihnen Gottesdienste, in denen er das hoffnungsvolle Wort Gottes verkündet und das Brot bricht. Dass er dabei nicht alleine unterwegs ist, zeigen die vielen Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die in Gruppen, Gremien und Vereinen mit ihm gemeinsam auf dem Weg sind.

Zum Silbernen Priesterjubiläum, das an diesem Wochenende in den Gottesdiensten gefeiert wird, wünschen wir unserem Pfarrer Josef Wilken viel Gesundheit, Gottes Segen und dass er seiner Berufung weiterhin mit frohem Herzen folgen darf.

Das Pfarrteam der Pfarreiengemeinschaft Osthümmling

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