Der Alltag hat uns wieder!

Die Osterzeit, Pfingsten, Fronleichnam sind vorbei. Der Alltag – auch liturgisch – beginnt wieder. Normalität kehrt ein.

Im Evangelium werden wir an diesem Wochenende hören, dass sich die Neugierigen um Jesus herum in einem Haus drängen. Sogar essen war Jesus und seinen Jünger dort nicht möglich.

Wie müssen wir uns das vorstellen, dass man noch nicht einmal mehr die Hand zum Munde führen kann, weil es so voll ist im Haus? So dicht gedrängt und eng war es wohl. Und da das Ganze im Orient stattfindet, dürfen wir auch vermuten, dass es dabei nicht still zuging, sondern dass ein Geräuschpegel herrschte, der an Lärm grenzte.

Und die Geister scheiden sich an Jesus. Ist er von allen guten Geistern verlassen? Oder ist er vielleicht doch der Messias. Selbst seine Familie zweifelt da.

Mittendrin steht dieser Jesus, die Ursache dieser Unruhe. Und er schaut sie alle an und erkennt in ihnen seine Familie, seine Brüder und Schwestern. Was strahlt er für eine Ruhe aus und was muss er für eine Liebe zu all denen haben, die da sind.

In der Corona-Pandemie hat uns der Alltag jetzt auch ein bisschen wieder. Wir dürfen im Gottesdienst wieder singen. Auch andere Erleichterungen sind angekündigt. Gemeinsame Treffen in kleineren Gruppen (3 Haushalte), miteinander essen und trinken, Gespräche sind wieder möglich.

Darauf haben wir lange gewartet und trotzdem bleibt bei vielen noch Verunsicherung. Darf man das jetzt wirklich so wagen, haben wir die Pandemie wirklich überwunden?

Ein dichtes Gedränge wie bei Jesus in Kapharnaum wird es und darf es wohl noch nicht geben. Wäre wahrscheinlich auch ein bisschen viel für uns. Aber wir dürfen uns jetzt wieder mehr wahrnehmen. Ich spüre eine gewisse Sehnsucht nach Gemeinschaft in einer Gesellschaft, die durch sich widersprechende Gruppen in verschiedene Lager gespalten ist. In der Gesellschaft, in der Neid nicht nur als „Impfneid“ eine Rolle spielt und die Meinung, was angemessen ist in der Corona-Pandemie, geht weit auseinander. Bei anderen nehme ich eine große „Müdigkeit“ wahr. Auch für uns wäre so ein Ruhe- und Orientierungspol schön, der uns sagt, dass wir doch alle Schwestern und Brüder sind, Geschwister, wenn wir an einem Strang ziehen oder zumindest es versuchen. Ich wünsche Ihnen und euch einen schönen Sonntag!

Pfarrer Josef Wilken

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