Zweifeln wie Thomas?

Am Sonntag begeht die katholische Kirche den Gedenktag des Apostels Thomas. Thomas gehört zu den zwölf Aposteln, die Jesus beruft. Er ist mit Jesus unterwegs und hört von ihm die Frohe Botschaft Gottes, erlebt Jesus im Umgang mit den Menschen und ist Zeuge zahlreicher Wundertaten.

Aber als Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung erscheint, ist Thomas nicht dabei. Er glaubt den Erzählungen der Jünger nicht, dass sie Jesus gesehen haben. Er entgegnet ihnen: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (Joh 20,25)

Als die Jünger sich acht Tage später wieder versammelt haben, ist Thomas dabei. Jesus tritt in ihre Mitte und spricht zu Thomas: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.

Thomas antwortet ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,27)

Der Apostel Thomas wird im Volksmund oft der „ungläubige Thomas“ genannt. Dabei ist Thomas ein ganz normaler Jünger Jesu, der hinterfragt, Dingen auf den Grund geht, der fragt und sucht. Es geht ihm um einen tiefen Glauben. Er will seinen Glauben entwickeln. Er zweifelt um des Verstehens willen und möchte seinen Glauben auf ein festes Fundament stellen. Und Jesus räumt seine Zweifel aus. Jesus zeigt sich ihm und bietet ihm an, seine Wunden zu berühren und die Hand in seine Seite zu legen.

Der Apostel Thomas kann uns Vorbild sein, einen Glauben zu entwickeln, der uns im Leben trägt.

Auch wir dürfen zweifeln und fragen, um besser zu verstehen. Wir dürfen uns mit unseren Zweifeln und Fragen vertrauensvoll an Gott wenden. Glauben heißt nicht, den kritischen Verstand ausschalten und sich das Nachfragen zu verbieten. Im Gegenteil, der Zweifel kann ein wichtiger Schritt sein beim persönlichen Ringen um einen tiefen Glauben.

Die Erfahrung des Thomas, die Wunden Jesu zu berühren und die Hände in seine Seite zu legen, können wir so nicht mehr machen. Aber Jesus zeigt sich uns heute auf andere Weise. Dazu braucht es unsere Entscheidung Jesus nachzufolgen. Dazu braucht es eine lebendige Beziehung zu Gott.

Ich wünsche allen Gottes Segen für die Woche!

Marlies Ahillen | Gemeindereferentin

Bildquellen

  • 220703: Friedbert Simon In: Pfarrbriefservice.de
zurück nach oben